Dienstag, 3. November 2015

Medizinische Versorgung am Lebensende noch zu häufig im Krankenhaus

Hoher Aufklärungsbedarf bei Patienten und Angehörigen




An diesem Donnerstag will der Bundestag das Hospiz- und Palliativgesetz beschließen, das eine bessere Betreuung sterbender Menschen ermöglichen soll. 

Die Bertelsmann Stiftung hat in ihrem Faktencheck Gesundheit analysiert, welche Angebote an Palliativmedizin es derzeit bereits gibt und wo noch Lücken bestehen.


Wie ein schwerkranker oder alter Mensch betreut wird und ob er im häuslichen Umfeld bleiben kann, entscheidet das medizinische und pflegerische Angebot vor Ort. In Regionen mit vielen niedergelassenen Ärzten, die eine Zusatzqualifikation im Bereich Palliativmedizin haben, verbringen mehr Menschen ihre letzten Tage in den eigenen vier Wänden. Baden-Württemberg etwa hat gut ausgebaute ambulante Versorgungsangebote. Dort sterben nur 41 Prozent der älteren Menschen im Krankenhaus. Wäre in allen Bundesländern das regionale Angebot vergleichbar organisiert, müssten jährlich rund 37.000 Menschen weniger im Krankenhaus sterben.

Die Studie empfiehlt: ambulant vor stationär


"Die Planung neuer Versorgungsangebote sollte sich an dem Wunsch der allermeisten Menschen ausrichten, ihre letzten Lebenstage zu Hause zu verbringen", sagte Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Der Ausbau der ambulanten Versorgung müsse deshalb Vorrang vor einem Ausbau stationärer Angebote haben. Zudem sollten alle Beteiligten vor Ort – Ärzte, Pflege- und Hospizdienste, Krankenhäuser und Krankenkassen – die neuen Möglichkeiten des geplanten Hospiz- und Palliativgesetzes nutzen, Menschen am Lebensende würdevoll zu begleiten.

In den Bundesländern, in denen die stationären Angebote besonders stark ausgebaut sind, sterben mehr Menschen in Kliniken als im Bundesdurchschnitt. In Nordrhein-Westfalen etwa, wo die Krankenhauskapazitäten hoch sind, verbringen 49 Prozent der Älteren ihre letzten Lebenstage in einer Klinik.

Hoher Aufklärungsbedarf bei Patienten und Angehörigen


Zwar sind die Versorgungsangebote für Schwerkranke und sterbende Menschen in den vergangenen 20 Jahren stark ausgebaut worden. Allerdings erhielten selbst 2014 bundesweit lediglich knapp 30 Prozent der Verstorbenen eine palliativmedizinische Behandlung, hat Professor Lukas Radbruch von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin für den Faktencheck Gesundheit ermittelt. Dies weise auf eine Unterversorgung hin, denn: "Fast 90 Prozent aller Menschen brauchen am Lebensende eine palliative Begleitung", sagte Radbruch.

Neben dem Mangel an Angeboten vor Ort herrscht laut Faktencheck Gesundheit auch ein nach wie vor hoher Bedarf an Aufklärung. So sei nur wenigen Menschen bewusst, dass eine gut organisierte ambulante Palliativversorgung zu weniger Krankenhauseinweisungen kurz vor dem Tod führt. Palliativversorgung stellt den Erhalt der Lebensqualität in den Mittelpunkt: Sie verringert nicht nur Schmerzen und Depressionen, sondern verhindert auch unnötige, belastende Therapien am Lebensende.

Für Betroffene und Angehörige hat die Bertelsmann Stiftung eine Serviceseite im Internet aufgebaut. Unter www.weisse-liste.de/palliativ-info informiert sie rund um das Thema "Palliativversorgung" und stellt die unterschiedlichen Versorgungsangebote vor.


Zusatzinformationen


Der Faktencheck Gesundheit zur Palliativversorgung basiert auf drei Studien:

1. "Sterbeort Krankenhaus – Regionale Unterschiede und Einflussfaktoren" (Karsten Zich, IGES-Institut)

2. "Strukturen und regionale Unterschiede in der Hospiz- und Palliativversorgung" (Heiner Melching, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin)

3. "Überversorgung kurativ – Unterversorgung palliativ? Analyse ausgewählter Behandlungen am Lebensende" (Prof. Dr. Lukas Radbruch, Universitätsklinikum Bonn)

Die Analysen stützen sich maßgeblich auf Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes, Daten des Wegweisers Hospiz- und Palliativmedizin sowie Berechnungen des Health Risk Instituts.

Montag, 2. November 2015

Erholung von der Pflege ist wichtig, um neue Kraft zu tanken

Zur Entlastung pflegender Angehöriger bietet die Pflegeversicherung Schulung und Beratung, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege





Sieben von zehn Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Die große Mehrheit von ihnen, zwei Drittel, werden ausschließlich durch Angehörige betreut. Die Pflege eines kranken oder älteren Menschen stellt für die pflegenden Angehörigen oft eine körperliche und seelische Dauerbelastung dar und muss zumeist noch mit Berufstätigkeit und Familie vereinbart werden. Viele Fragen zu Leistungen und zum Umgang mit den pflegebedürftigen Angehörigen treten auf, deshalb sind Beratungs- und Schulungsangebote häufig eine wichtige Entlastung. 

Wichtig ist es deshalb, dass der pflegende Angehörige auch einmal an sich denkt und eine Auszeit nimmt, um sich zu erholen oder Rat sucht“, sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). „Erholung von der Pflege ist wichtig, um neue Kraft zu tanken. Zudem kann die Leistung der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden, so dass man sicher sein kann, dass der Familienangehörige bei der Abwesenheit des Pflegenden gut betreut wird.“

Kostenlose Beratung und Schulung


Daneben erhalten Angehörige, die ein pflegebedürftiges Familienmitglied zu Hause pflegen, professionelle kostenlose Beratung und Schulung bei den mehr als 3.000 Pflegeberatern der bpa-Mitglieder. Hierzu hat der Verband mit allen großen Pflegekassen Verträge abgeschlossen, insbesondere auch um den Umgang mit Menschen mit Demenz zu schulen und den Austausch mit anderen Angehörigen zu fördern. Auch die Kurzzeit- und Verhinderungspflege wird durch die Pflegeversicherung zur Entlastung pflegender Angehöriger unterstützt.

Der Pflegebedürftige kann bei Urlaub, Krankheit oder Verhinderung der pflegenden Person bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege oder bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege in Anspruch nehmen oder von einer Pflegevertretung durch einen externen Pflegedienst unterstützt werden“, erläutert der bpa-Präsident. Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege bieten den Angehörigen die Möglichkeit, die Pflegeperson zu Hause, in der Tagespflege oder in einem Pflegeheim zu betreuen. „Oft helfen bereits wenige Tage fernab des Alltags, um neue Kräfte zu mobilisieren und Aufgaben zu bewältigen. Tägliche Pflege des Angehörigen ist anstrengend, Erholung ist oft dringend notwendig. Um die pflegenden Angehörigen zu stärken, bietet die Pflegeversicherung diese Entlastung des pflegenden Angehörigen“, so Bernd Meurer.

Freitag, 30. Oktober 2015

Und wer hilft den Angehörigen?

Welche Hilfe für die häusliche Pflege Schwerkranker und Dementer wichtig ist





Wer Angehörige pflegt, läuft auf Dauer Gefahr, selbst krank zu werden. Partner von Krebspatienten leiden psychisch oft stärker als die Betroffenen selbst und Familien, die ein erwachsenes Kind mit Behinderung betreuen, sind einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. 

Besonders aufreibend: das Leben mit Demenzkranken. Zu lernen, dass man den Patienten nicht ändern kann, sondern nur sein eigenes Verhalten, stellt eine große Herausforderung dar. 

Dabei helfen Gesprächskreise für pflegende Angehörige, die meist eine Fachkraft moderiert, rät das Apothekenmagazin „Senioren-Ratgeber“. 

Empfehlenswert: Schulungen für den Umgang mit Demenzkranken, deren Kosten von fast allen Kassen übernommen werden. 

Quelle:
Das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“