Mittwoch, 23. September 2026

Woran man gute Beratung zur Pflege erkennt

Kostenloser Kurzratgeber „Beratung zur Pflege“

Ein neuer Kurzratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) erklärt, was gute professionelle Beratung zur Pflege ausmacht und wie sich pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen auf solche Beratungsgespräche vorbereiten können.

Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen müssen weitreichende Entscheidungen zur Pflege treffen und stehen dabei vor zahlreichen Fragen und praktischen Herausforderungen. Hierbei kann professionelle Beratung zur Pflege unterstützen. Sie ist in Deutschland für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen kostenlos zugänglich und wird unter anderem von Pflegekassen, privaten Pflegeversicherungen und lokalen Beratungsstellen wie Pflegestützpunkten angeboten. Bundesweit gibt es also sehr viele unterschiedliche Beratungsangebote. Für Ratsuchende ist es nicht immer leicht, sich zu orientieren sowie einzuschätzen, was eine gute Beratung ausmacht und was sie davon erwarten können.

Kurzratgeber bietet Orientierung

Hier setzt der neue Kurzratgeber „Beratung zur Pflege“ der gemeinnützigen Fachstiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) an. Dieser zeigt unter anderem auf, welche Themen und Ziele professionelle Beratung zur Pflege haben kann und wie sie ablaufen sollte.

„Gute Beratung geht über Informationsvermittlung hinaus. Wichtig ist dabei insbesondere, dass die individuelle Lebenssituation der zu Beratenden berücksichtigt wird. Darauf sollte die Beratung aufbauen und dabei helfen, Handlungsmöglichkeiten abzuwägen sowie sich eigenständig zu entscheiden“, erklärt Daniela Sulmann, Geschäftsleiterin und Pflegeexpertin im ZQP. Dafür werden Vorgehen, Themen, Ziele und Maßnahmen gemeinsam mit der pflegebedürftigen Person und gegebenenfalls ihren Angehörigen abgesprochen. „Ein wichtiger Aspekt hierbei ist auch, Gesundheitsrisiken zu erkennen und Gesundheitsproblemen vorzubeugen“, betont Sulmann.

Merkmale guter Beratung

Der Kurzratgeber benennt zudem zehn konkrete Merkmale guter Beratung zur Pflege und erläutert, worauf Ratsuchende achten können. Dazu gehört, dass die Beratung von einer entsprechend qualifizierten Person durchgeführt wird. Zu gesundheitlichen und pflegepraktischen Themen beraten beispielsweise Pflegefachpersonen. Ein weiterer Punkt: Informationen zu Ansprüchen, Leistungen und Pflegeangeboten sind ausführlich und nachvollziehbar, Fragen werden hilfreich beantwortet. Gute Beratung begleitet außerdem aktiv dabei, passende Leistungen und Hilfen auszuwählen und zu erhalten.

„Ich würde pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen empfehlen, sich vor einer Beratung Notizen zu wichtigen Themen und Fragen zu machen. Zum Beispiel: Was funktioniert aktuell gut? Wo fehlt Entlastung? Was muss sich ändern? So kann man gezielter ansprechen, was für die eigene Pflegesituation wirklich relevant ist“, so Sulmann. „Dabei ist ein offener, vertrauensvoller Austausch zwischen den beteiligten Personen besonders wichtig, damit die Beratung gelingen kann“, erklärt die Pflegeexpertin.

Der kostenfrei zugängliche und werbefreie Ratgeber steht auf der Webseite www.zqp.de zum Download bereit. Außerdem kann zur Suche nach wohnortnahen Beratungsstellen die ebenfalls auf der Webseite frei zugängliche ZQP-Datenbank genutzt werden.

Dienstag, 8. September 2026

Zum Tag der pflegenden Angehörigen am 08. September

Pflege muss zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden




Zum Tag der pflegenden Angehörigen am 8. September mahnt der Bundesverband pflegender Angehöriger an, dass Pflege angesichts des Pflegefachkräftemangels, der demographischen Entwicklung und der Überlastung der pflegenden Angehörigen zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden muss. 

„Wir fordern eine gesamtgesellschaftliche Debatte über den Stellenwert eines guten und würdevollen Pflegesystems in unserer Gesellschaft. Pflege darf nicht zum überwiegenden Teil auf den Schultern von Angehörigen abgeladen werden“, sagt Prof. Dr. Notburga Ott, Vorständin des Bundesverbands wir pflegen e.V., der Interessensvertretung und Selbsthilfeorganisation pflegender Angehöriger.  

„Damit pflegebedürftige Menschen würdevoll unterstützt und versorgt und pflegende An- und Zugehörige angemessen abgesichert und entlastet werden, ist es notwendig, nicht nur die finanziellen Aspekte der Pflegeversicherung in den Blick zu nehmen. Es müssen vielmehr Strukturen und Verantwortlichkeiten des Pflegesystems rechtlich und gesellschaftlich neu gedacht werden“, ergänzt Heinrich Stockschlaeder, Vorstand des Bundesverbandes wir pflegen e.V. mit Verweis auf die Stellungnahme von wir pflegen zum Bericht der Bundesregierung „Zukunftssichere Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung“.

Dringend notwendig sei angesichts der begrenzten professionellen Pflege- und Betreuungskräfte und der Überlastung der pflegenden Angehörigen die Klärung der Frage, für welche Aufgaben und Personenkreise personelle und finanzielle Ressourcen eingesetzt werden müssen. Nach Erkenntnissen von wir pflegen e.V. wird es insbesondere für schwerstpflegebedürftige Menschen immer schwieriger, Unterstützung durch professionelle Pflegeanbieter zu erhalten. Diese Menschen und ihre Angehörigen sind aber auf Hilfe angewiesen. In Anbetracht der Begrenzungen sei der Aufbau von Netzwerken und Kooperationen aus professioneller Pflege, Pflege durch An- und Zugehörige, Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe oder kommunalen zivilgesellschaftlichen Angeboten im Sinne des Aufbaus von Caring Communities unabdingbar, so der Verband.

In seiner Stellungnahme fordert der Verband einen Perspektivenwechsel weg von einer Defizitorientierung hin zu einer personenzentrierten Sichtweise. Das Ziel muss ein Pflegesystem sein, das pflegebedürftige Menschen dabei unterstützt, ein möglichst selbstbestimmtes und selbständiges Leben zu führen, ohne die Angehörigen zu überlasten.

Sonntag, 16. August 2026

Young Carer: Wenn Kinder Angehörige pflegen

Wird die Belastung zu groß, können Schulleistungen und Gesundheit leiden


Foto: DJD/compass private pflegeberatung


(DJD). Morgens früh aufstehen, Frühstück machen, Papa die Medikamente geben und die kleine Schwester in die Kita bringen. Nach der Schule aufräumen, Wäsche waschen und dann als Begleitung mit zum Arzttermin: So oder ähnlich kann der Alltag von Kindern und Jugendlichen aussehen, die ein Familienmitglied pflegen. Und es sind viele. Laut einer Studie der Universität Witten-Herdecke im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums trugen 2018 fast 480.000 junge Menschen Pflegeverantwortung – statistisch sitzen damit in jeder Schulklasse zwei der sogenannten Young Carer.


Überlastung gefährdet Bildung und Gesundheit

Für die Kinder und Jugendlichen kann die Pflege zu einer hohen Belastung werden, aber auch positive Aspekte haben. So entwickeln sie oft eine ausgeprägte Sozialkompetenz und erleben familiäre Bindungen als besonders eng und tragfähig. Bleibt aber dauerhaft zu wenig Zeit für Schule, Lernen, Freundschaften, Hobbys und das „eigene Leben“, können Gesundheit, Bildungschancen und Sozialleben der Young Carer stark beeinträchtigt werden. „Die Auswirkungen sind sehr individuell und hängen immer auch vom Ausmaß der Pflegetätigkeiten ab“, weiß Diana Wasser von der Pflegeberatung compass. „Während es zum Beispiel völlig in Ordnung sein kann, einmal pro Woche kleine Erledigungen für Oma zu machen, wird die Belastung für das Kind einer alleinerziehenden pflegebedürftigen Mutter möglicherweise schnell viel zu hoch.“ Oft bleibt das jedoch lange unbemerkt, denn die Betroffenen ziehen sich eher zurück, als proaktiv Hilfe zu suchen. Ein sensibles Umfeld ist deshalb ausschlaggebend. 

Ein offenes Ohr bei der Pflegeberatung

Für das Identifizieren und Unterstützen junger Pflegender spielt die Pflegeberatung oft eine wichtige Rolle: „Wir nehmen generell immer alle Familienangehörigen mit in den Blick, auch Kinder und Jugendliche“, erklärt Diana Wasser. Wird eine Überlastung sichtbar, empfehlen die Beraterinnen und Berater passende Entlastungsangebote in der Region sowie Stellen, an denen betroffene Jugendliche sich untereinander austauschen können. Auf eine Pflegeberatung haben Pflegebedürftige und ihre An- oder Zugehörigen gesetzlichen Anspruch. compass etwa ist für privat Versicherte zuständig und bietet zusätzlich kostenfreie telefonische Beratung für alle unter der Service-Nummer 0800 - 101 88 00 an, darüber hinaus stehen unter www.pflegeberatung.de mehr Informationen und ein Chat-Bot bereit. „Insgesamt ist es wichtig, ein besonderes Augenmerk auf junge Menschen mit Pflegeverantwortung zu richten und eine vertrauensvolle Kommunikation aufzubauen“, betont die Pflegeberaterin. „Denn sie brauchen Beistand und ein offenes Ohr, um sich gesund zu entwickeln.“