Dienstag, 8. September 2026

Zum Tag der pflegenden Angehörigen am 08. September

Pflege muss zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden




Zum Tag der pflegenden Angehörigen am 8. September mahnt der Bundesverband pflegender Angehöriger an, dass Pflege angesichts des Pflegefachkräftemangels, der demographischen Entwicklung und der Überlastung der pflegenden Angehörigen zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden muss. 

„Wir fordern eine gesamtgesellschaftliche Debatte über den Stellenwert eines guten und würdevollen Pflegesystems in unserer Gesellschaft. Pflege darf nicht zum überwiegenden Teil auf den Schultern von Angehörigen abgeladen werden“, sagt Prof. Dr. Notburga Ott, Vorständin des Bundesverbands wir pflegen e.V., der Interessensvertretung und Selbsthilfeorganisation pflegender Angehöriger.  

„Damit pflegebedürftige Menschen würdevoll unterstützt und versorgt und pflegende An- und Zugehörige angemessen abgesichert und entlastet werden, ist es notwendig, nicht nur die finanziellen Aspekte der Pflegeversicherung in den Blick zu nehmen. Es müssen vielmehr Strukturen und Verantwortlichkeiten des Pflegesystems rechtlich und gesellschaftlich neu gedacht werden“, ergänzt Heinrich Stockschlaeder, Vorstand des Bundesverbandes wir pflegen e.V. mit Verweis auf die Stellungnahme von wir pflegen zum Bericht der Bundesregierung „Zukunftssichere Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung“.

Dringend notwendig sei angesichts der begrenzten professionellen Pflege- und Betreuungskräfte und der Überlastung der pflegenden Angehörigen die Klärung der Frage, für welche Aufgaben und Personenkreise personelle und finanzielle Ressourcen eingesetzt werden müssen. Nach Erkenntnissen von wir pflegen e.V. wird es insbesondere für schwerstpflegebedürftige Menschen immer schwieriger, Unterstützung durch professionelle Pflegeanbieter zu erhalten. Diese Menschen und ihre Angehörigen sind aber auf Hilfe angewiesen. In Anbetracht der Begrenzungen sei der Aufbau von Netzwerken und Kooperationen aus professioneller Pflege, Pflege durch An- und Zugehörige, Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe oder kommunalen zivilgesellschaftlichen Angeboten im Sinne des Aufbaus von Caring Communities unabdingbar, so der Verband.

In seiner Stellungnahme fordert der Verband einen Perspektivenwechsel weg von einer Defizitorientierung hin zu einer personenzentrierten Sichtweise. Das Ziel muss ein Pflegesystem sein, das pflegebedürftige Menschen dabei unterstützt, ein möglichst selbstbestimmtes und selbständiges Leben zu führen, ohne die Angehörigen zu überlasten.

Sonntag, 16. August 2026

Young Carer: Wenn Kinder Angehörige pflegen

Wird die Belastung zu groß, können Schulleistungen und Gesundheit leiden


Foto: DJD/compass private pflegeberatung


(DJD). Morgens früh aufstehen, Frühstück machen, Papa die Medikamente geben und die kleine Schwester in die Kita bringen. Nach der Schule aufräumen, Wäsche waschen und dann als Begleitung mit zum Arzttermin: So oder ähnlich kann der Alltag von Kindern und Jugendlichen aussehen, die ein Familienmitglied pflegen. Und es sind viele. Laut einer Studie der Universität Witten-Herdecke im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums trugen 2018 fast 480.000 junge Menschen Pflegeverantwortung – statistisch sitzen damit in jeder Schulklasse zwei der sogenannten Young Carer.


Überlastung gefährdet Bildung und Gesundheit

Für die Kinder und Jugendlichen kann die Pflege zu einer hohen Belastung werden, aber auch positive Aspekte haben. So entwickeln sie oft eine ausgeprägte Sozialkompetenz und erleben familiäre Bindungen als besonders eng und tragfähig. Bleibt aber dauerhaft zu wenig Zeit für Schule, Lernen, Freundschaften, Hobbys und das „eigene Leben“, können Gesundheit, Bildungschancen und Sozialleben der Young Carer stark beeinträchtigt werden. „Die Auswirkungen sind sehr individuell und hängen immer auch vom Ausmaß der Pflegetätigkeiten ab“, weiß Diana Wasser von der Pflegeberatung compass. „Während es zum Beispiel völlig in Ordnung sein kann, einmal pro Woche kleine Erledigungen für Oma zu machen, wird die Belastung für das Kind einer alleinerziehenden pflegebedürftigen Mutter möglicherweise schnell viel zu hoch.“ Oft bleibt das jedoch lange unbemerkt, denn die Betroffenen ziehen sich eher zurück, als proaktiv Hilfe zu suchen. Ein sensibles Umfeld ist deshalb ausschlaggebend. 

Ein offenes Ohr bei der Pflegeberatung

Für das Identifizieren und Unterstützen junger Pflegender spielt die Pflegeberatung oft eine wichtige Rolle: „Wir nehmen generell immer alle Familienangehörigen mit in den Blick, auch Kinder und Jugendliche“, erklärt Diana Wasser. Wird eine Überlastung sichtbar, empfehlen die Beraterinnen und Berater passende Entlastungsangebote in der Region sowie Stellen, an denen betroffene Jugendliche sich untereinander austauschen können. Auf eine Pflegeberatung haben Pflegebedürftige und ihre An- oder Zugehörigen gesetzlichen Anspruch. compass etwa ist für privat Versicherte zuständig und bietet zusätzlich kostenfreie telefonische Beratung für alle unter der Service-Nummer 0800 - 101 88 00 an, darüber hinaus stehen unter www.pflegeberatung.de mehr Informationen und ein Chat-Bot bereit. „Insgesamt ist es wichtig, ein besonderes Augenmerk auf junge Menschen mit Pflegeverantwortung zu richten und eine vertrauensvolle Kommunikation aufzubauen“, betont die Pflegeberaterin. „Denn sie brauchen Beistand und ein offenes Ohr, um sich gesund zu entwickeln.“

Dienstag, 11. August 2026

Demenz? Gut zu wissen!

Neue kostenlose Broschüre der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gibt Orientierung für Betroffene und Angehörige



Was bedeutet eine Demenz-Diagnose? Woran lässt sich eine beginnende Demenz erkennen? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es – und wie kann das Leben mit Demenz gut gestaltet werden? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt die neue Broschüre der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) „Demenz? Gut zu wissen! Verstehen, helfen, gemeinsam handeln“. Der kompakte Ratgeber bündelt grundlegendes Wissen über Demenzerkrankungen und zeigt konkrete Möglichkeiten auf, wie Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen Unterstützung finden und den Alltag gestalten können. An vielen Stellen kommen dabei Menschen mit Demenz selbst zu Wort.

Demenz verstehen, Unsicherheit abbauen

Eine Demenz wirft bei Betroffenen und Angehörigen häufig viele Fragen auf. Die neue Broschüre erklärt verständlich, was unter einer Demenz zu verstehen ist, welche Ursachen es gibt und welche Symptome und Verläufe bei unterschiedlichen Demenzerkrankungen auftreten können. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, wann Gedächtnisprobleme Anlass für eine ärztliche Abklärung geben. Die Broschüre beschreibt unter anderem elf mögliche Warnsignale einer beginnenden Demenz – darunter Gedächtnisstörungen, Orientierungsprobleme, Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben und Veränderungen von Verhalten oder Stimmung.

Was tun nach einer Demenz-Diagnose?

Eine Demenz-Diagnose verändert vieles – aber sie bedeutet nicht, dass ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben nicht mehr möglich ist. Die Broschüre gibt Anregungen, wie Menschen mit Demenz ihren Alltag gestalten, mobil bleiben, ihre Freizeit aktiv nutzen und mit der Diagnose umgehen können. Eine eigene Checkliste fasst wichtige Schritte zusammen, die nach einer Demenz-Diagnose hilfreich sein können.

Auch Angehörige brauchen Unterstützung

Eine Demenz betrifft nie nur die erkrankte Person. Auch Partnerinnen und Partner, Kinder, Freunde und andere Angehörige stehen vor neuen Herausforderungen. Die Broschüre beschreibt, wie Kommunikation und Umgang mit Menschen mit Demenz gelingen können und welche Möglichkeiten der Entlastung bestehen.

Vorgestellt werden unter anderem Beratungsstellen, Angehörigengruppen, Schulungen, Betreuungsangebote, Besuchsdienste, ambulante Pflegedienste, Tages- und Kurzzeitpflege sowie weitere Unterstützungsangebote. Auch wichtige rechtliche und finanzielle Themen wie Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Pflegeversicherung und Schwerbehindertenausweis werden verständlich erklärt.

„Eine Demenz-Diagnose wirft viele Fragen auf. Gute Informationen können dabei helfen, Ängste abzubauen und die nächsten Schritte zu planen. Unsere neue Broschüre soll Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen dabei unterstützen, sich zu orientieren und die passende Hilfe zu finden“, sagt Swen Staack, 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Früh informieren, Unterstützung nutzen

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft empfiehlt Menschen, die mit einer Demenz-Diagnose konfrontiert sind, sich möglichst frühzeitig beraten zu lassen. Neben medizinischen Ansprechpartnern können insbesondere regionale Alzheimer-Gesellschaften und andere Beratungsangebote eine wichtige Unterstützung sein. Auch das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bietet Informationen und Orientierung.

Die neue Broschüre möchte dabei ein erster Wegweiser sein: Sie vermittelt Grundlagenwissen, gibt konkrete Handlungsempfehlungen und verweist auf weiterführende Hilfen.

Broschüre kostenlos verfügbar

„Demenz? Gut zu wissen! Verstehen, helfen, gemeinsam handeln“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, 1. Auflage 2026, ist in gedruckter Form und als barrierefreies PDF kostenlos erhältlich.

Download der Broschüre:
„Demenz? Gut zu wissen!“ – PDF der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Bestellung der gedruckten Ausgabe:
DAlzG-Shop – „Demenz? Gut zu wissen!“