Sonntag, 29. September 2019

Mit Wissen über Demenz Unsicherheit abbauen

Viele Menschen fühlen sich zum Thema Demenz nicht ausreichend informiert und sind verunsichert. 



Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) und die Stiftung Gesundheitswissen starteten darum am 14. September 2019 gemeinsam eine multimediale Informations-Kampagne. 

Zurzeit leben in Deutschland geschätzt etwa 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. In den nächsten Jahrzehnten wird diese Zahl weiter steigen: Bis zum Jahr 2050 wird derzeit mit bis zu drei Millionen Menschen mit Demenz gerechnet. Aktuelle Studien zeigen, dass sich viele Bürger beim Thema Demenz schlecht informiert und unsicher fühlen. In einer bundesweiten Befragung des ZQP gaben 84 Prozent der über 2.500 Befragten an, dass sie sich mehr Informationen über Demenz wünschen.

Zur diesjährigen Woche der Demenz führten daher die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege und die Stiftung Gesundheitswissen ab dem 14. September 2019 eine multimediale Informations-Kampagne durch. Ziel ist es, insbesondere die Alzheimer-Demenz aus allen Richtungen zu beleuchten. Dazu dienen unter anderem zehn kurze Filme. Darin berichten Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen vom Leben mit der Erkrankung. Zudem beantworten Gesundheits-Experten häufige Fragen zum Thema. Daneben gibt es viele weitere kostenlose Informationsangebote, zum Beispiel Hinweise zu Behandlungsoptionen und Tipps zum Alltag mit Demenz.

„Demenz gehört zu unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen sind damit konfrontiert – und oft auch überfordert. Wissen über die Erkrankung und den richtigen Umgang damit kann helfen, Unsicherheiten abzubauen und Menschen mit Demenz offen zu begegnen. Dazu wollen wir mit unserer Informations-Kampagne beitragen“, erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der beiden Stiftungen.

Die Videos widmen sich daher zentralen Fragen: Professor Andreas Fellgiebel von der Rheinhessen-Fachklinik Alzey erläutert, was Demenz aus medizinischer Sicht ist, wie die Diagnose gestellt wird und wie sich Betroffene und Angehörige auf die Untersuchung beim Arzt vorbereiten können. Daniela Sulmann vom ZQP erklärt, wie sich die Diagnose Demenz auf den Alltag auswirken kann. Zudem informieren die Praxisexpertinnen Helga Schneider-Schelte von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und Bettina Grundmann-Horst vom Ambulanten Betreuungszentrum Berlin über Unterstützungs- und Entlastungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Tipps zum Umgang mit herausforderndem Verhalten bei fortgeschrittener Demenz, etwa starker Unruhe oder Wut, gibt Professorin Daniela Holle von der Hochschule für Gesundheit Bochum. Aber auch die Betroffenen kommen zu Wort: Sie berichten, was für sie die Diagnose Demenz bedeutet. Das ist realistisch, berührt und vermittelt auch positive Eindrücke.

„Mit der Diagnose Demenz ändert sich das Leben der erkrankten Menschen und auch das ihrer Angehörigen. Vieles muss neu überlegt und organisiert werden – von der Alltagsgestaltung und den Verantwortlichkeiten bis hin zu Anpassungen im Wohnumfeld. Viele Angehörige fragen sich dabei: Mache ich alles richtig? Wichtig ist, dass die Familien damit nicht allein bleiben. Es gibt viele Informations- und Unterstützungsangebote. Auch das wollen wir mit unserer Kampagne zeigen“, fasst Suhr zusammen.

Die Informationsangebote sind über die sozialen Kanäle und auf den Webseiten der beiden Stiftungen frei zugänglich: www.zqp.de und www.stiftung-gesundheitswissen.de

Mittwoch, 18. September 2019

Pflegebedürftige: Nur knapp jeder Zweite nutzt Entlastungsleistungen

Pflegebedürftigen stehen pro Monat 125 Euro zu, um die Pflegenden zu entlasten


Thomas Ballast
Foto: Techniker Krankenkasse
Nur knapp die Hälfte (49,7 Prozent) der TK-versicherten Pflegebedürftigen nimmt "Entlastungsleistungen" der Pflegekasse in Anspruch. Das gab die Techniker Krankenkasse (TK) anlässlich des Aktionstags Pflegende Angehörige am 8. September bekannt. Pflegebedürftigen stehen pro Monat 125 Euro zu, um die Pflegenden zu entlasten. Über 76 Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland werden laut statistischem Bundesamt zu Hause betreut. Dabei leisten pflegende Angehörige einen zentralen Anteil.


Entlastungsleistungen - einheitliche Regeln und mehr Flexibilität nötig


Zwar wurden Entlastungsleistungen 2019 häufiger abgerufen als 2018, doch noch immer profitiert nicht einmal jeder zweite Pflegebedürftige davon. Neben zu geringer Bekanntheit der Entlastungsleistungen erschweren auch strukturelle Hürden die Inanspruchnahme. Teilweise bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern, wofür diese Leistung eingesetzt werden darf und wofür nicht. Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK, erläutert, teilweise könnten Angehörige die Leistung nicht nutzen, weil es vor Ort keinen Anbieter gebe, der die regionalen Bedingungen erfüllt, während andernorts die Hürden deutlich geringer seien. Ballast: "Ob pflegende Angehörige Entlastungsmöglichkeiten bekommen oder nicht, darf nicht vom Wohnort abhängen. Hier muss im Sinne der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen eine einheitliche Regelung her, um den unhaltbaren Zustand zu beenden."

Aus TK-Sicht wäre es zudem sinnvoll, statt der monatlichen 125 Euro ein flexibel einsetzbares Jahresbudget von 1.500 Euro zu schaffen. Ballast: "Wenn Versicherte bei der TK im Januar eine Rechnung über 800 Euro für Entlastungsleistungen einreichen, können wir diese nicht ohne Weiteres erstatten - kommt die Rechnung mit dem gleichen Betrag jedoch im November, ist es kein Problem. Hier brauchen wir mehr Flexibilität im Sinne der Betroffenen."

Kostendruck in der Pflege wächst - Angehörige sind Schlüsselfaktor


Betroffen sind immer mehr Menschen. Allein zwischen 2018 und 2019 (Stichtag jeweils 30. Juni) stieg die Zahl der Erstanträge von Pflegebedürftigen bei der TK um acht Prozent. Insgesamt gibt es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt über 3,4 Millionen Pflegebedürftige. Ballast: "Schon heute steigen die Pflegekosten für die Solidargemeinschaft viel stärker als noch vor wenigen Jahren erwartet wurde." Umso wichtiger sei es jetzt, in die Entlastung von pflegenden Angehörigen zu investieren. "Jeder Euro, den wir jetzt für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit dieser Menschen ausgeben, kann den Beitragszahlern deutlich höhere Ausgaben für die Pflege in einem Heim ersparen", so Ballast.

TK unterstützt pflegende Angehörige mit speziellen Angeboten


Die TK unterstützt pflegende Angehörige mit zusätzlichen Angeboten. Dazu gehört die Möglichkeit, auf www.tkpflegecoach.de einen digitalen Pflegekurs zu absolvieren. Das Kursangebot "Pflegen und pflegen lassen" ermöglicht Angehörigen, sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen, während andere die Pflege übernehmen. Die Kursreihe "Begleitung im Andersland" richtet sich speziell an Angehörige von Menschen mit Demenz und durch das Onlineangebot pflegen-und-leben.de erhalten pflegende Angehörige psychologische Unterstützung in Belastungssituationen.

Freitag, 13. September 2019

Viele Apotheken verleihen Medizingeräte

Viele Menschen benötigen Medizintechnik nur für einen begrenzten Zeitraum


Ob Blutdruckmessgerät oder Vernebler, Milchpumpe oder Babywaage - viele Menschen benötigen Medizintechnik nur für einen begrenzten Zeitraum. Ein Kauf lohnt sich dann kaum. Darum halten viele Apotheken Leihgeräte bereit, die sie ihren Kunden gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung stellen, wie das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" schreibt. Die zusätzliche Kaution wird bei ordnungsgemäßer Rückgabe wieder ausgezahlt. Häufig übernehmen sogar die Krankenkassen die Kosten.

Voraussetzung dafür ist eine ärztliche Verordnung. Bei den Leihapparaten handelt es sich um hochwertige Markengeräte auf dem aktuellen Stand der Technik. Wie sie genau funktionieren, wird dem Kunden in der Apotheke erklärt. "Wir kümmern uns anschließend auch um die fachgerechte Reinigung und Desinfektion", sagt Claudia Hussels-Kapitza, Apothekerin aus Remscheid. Zu Milchpumpen oder Inhaliergeräten gebe es Hygienesets mit Materialien wie Schläuchen, Flaschen oder Masken. Sie muss der Patient erwerben und kann sie hinterher behalten oder entsorgen.

Damit jeder auch wirklich sein Wunschgerät bekommt, rät Hussels-Kapitza zu einer Reservierung: "Vor allem wenn abzusehen ist, dass ein bestimmtes Gerät benötigt wird, macht ein Anruf in der Apotheke schon Sinn. Ist gerade kein Gerät verfügbar, können wir uns manchmal auch um ein zusätzliches Gerät kümmern." Etwa zwei Tage Vorlaufzeit sollte man schon einplanen.

Quelle: Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau".
Ausgabe 9/2019 A liegt aktuell in den meisten Apotheken aus.

Montag, 2. September 2019

Alzheimer-Patienten: Tipps für ein sicheres Zuhause

Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen können von der Pflegeversicherung bezuschusst werden


Die Alzheimer-Krankheit bringt viele Herausforderungen mit sich – sowohl für den Patienten als auch für seine Angehörigen. 

Ein nachlassendes Gedächtnis, eine Verschlechterung der Alltagsfähigkeiten sowie ein zunehmender Bewegungsdrang können auch in den eigenen vier Wänden zu Gefahrensituationen führen. 

Ratsam ist es daher, den Wohnraum an die Bedürfnisse des Erkrankten anzupassen, damit er in einer sicheren Umgebung leben kann, ohne sich zu verletzen oder andere zu gefährden. 

Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) gibt hierzu Tipps in ihrem Ratgeber „Leben mit der Diagnose Alzheimer“. Der kostenlose Ratgeber kann unter www.alzheimer-forschung.de/leben-mit-alzheimer bestellt werden.

Alzheimer-Patienten sollten in ihrem Zuhause zum einen genügend Raum zur Bewegung haben, auf der anderen Seite sollten Stolperfallen wie hohe Teppiche oder Elektrokabel auf dem Boden vermieden werden. Die Sicherheit auf Treppen kann durch Markierungen der Treppenstufen mit gelbem Klebeband oder der Montage eines zusätzlichen Handlaufs erhöht werden.

Eine häufig auftretende Verhaltensweise bei Menschen mit Alzheimer ist das Weglaufen. Da der Orientierungssinn bereits früh gestört ist, ist es für einen Patienten gefährlich, alleine unterwegs zu sein. Abhilfe schaffen können kindersichere Türgriffe und Alarmmatten vor den Türen. Es kann auch sinnvoll sein, eine Tür zu verbergen – zum Beispiel mit dem Bild eines Bücherregals.

Im Badezimmer verhindern Gummimatten oder rutschfeste Streifen am Dusch- oder Wannenboden Stürze genauso wie Haltegriffe an der Wand. Ein Stuhl oder Hocker in der Dusche sorgt für zusätzliche Sicherheit. Durch ein Markieren der Wasserhähne – rot für heiß, blau für kalt – und einer Heißwassertemperatur von unter 45 Grad können Verbrühungen verhindert werden. Ein erhöhter Toilettensatz kann den Stuhlgang einfacher machen.

Für die Küche gilt: Messer, Scheren und andere Utensilien, die gefährlich werden könnten, sollten weggeschlossen werden. Topf- und Pfannengriffe können zur Rückseite des Herdes gedreht werden. Ein Brandmelder und ein Feuerlöscher sorgen für zusätzlichen Schutz.

Entsprechende Kosten für so genannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen können von der Pflegeversicherung bezuschusst werden. Hierfür muss ein Pflegegrad vorliegen. Pro Maßnahme stehen dann bis zu 4.000 Euro zur Verfügung.

„Leben mit der Diagnose Alzheimer“ kann kostenfrei bestellt werden bei der Alzheimer Forschung Initiative e.V., Kreuzstr. 34, 40210 Düsseldorf; Telefonnummer 0211 - 86 20 66 0; Webseite: www.alzheimer-forschung.de/leben-mit-alzheimer 

Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.


Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Alzheimer-Forscher und stellt kostenloses Informationsmaterial für die Öffentlichkeit bereit. 

Bis heute konnte die AFI 266 Forschungsaktivitäten mit über 10,2 Millionen Euro unterstützen und rund 825.000 Ratgeber und Broschüren verteilen. Interessierte und Betroffene können sich auf www.alzheimer-forschung.de fundiert über die Alzheimer-Krankheit informieren und Aufklärungsmaterial anfordern. 

Ebenso finden sich auf der Webseite Informationen zur Arbeit des Vereins und allen Spendenmöglichkeiten. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel.