Donnerstag, 26. Februar 2026

BARMER-Arzneimittelreport: Grippe-Impfquote bei über 60-Jährigen viel zu gering

Zu wenige Pflegebedürftige gegen Grippe geimpft




Die Influenza-Impfquoten in Deutschland bleiben deutlich hinter den internationalen Zielen zurück. Selbst besonders gefährdete Gruppen werden nicht ausreichend erreicht. Dies geht aus dem Arzneimittelreport der BARMER hervor. Demnach wurden im Jahr 2023 nur 40,8 Prozent der BARMER-Versicherten ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft und damit weniger als in den Jahren 2020 bis 2022. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Quote von 75 Prozent. Besonders gefährlich ist die Influenza für Patienten in stationärer Pflege und nach Herzinfarkt. Mehr als die Hälfte dieser Versicherten wurde im Jahr 2023 jedoch nicht gegen Influenza geimpft. „Gerade bei den vulnerablen Gruppen ist eine Influenzaimpfung wichtig. Studien belegen, dass Herzpatienten nach einer Impfung unter anderem deutlich bessere Überlebenschancen haben. Dennoch werden die bestehen-den Empfehlungen unzureichend umgesetzt“, sagt Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER.

Hausärztinnen und Hausärzte in besonderer Verantwortung

„Die Daten zur Schutzwirkung bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen sind so überzeugend, dass im Jahr 2025 die European Society of Cardiology die Impfung zur vierten Säule der kardiovaskulären Prävention erklärt hat. „Die unzureichenden Impfquoten dieser Risikopatienten zeigen, dass dieser Erkenntnisfortschritt noch nicht in der Behandlungsrealität angekommen ist. Hier sind Hausärzte gefordert, dies zu erläutern und umzusetzen“, ergänzt Prof. Dr. med. Daniel Grandt, der Autor des Arzneimittelreports.

Apothekenimpfung spielt untergeordnete Rolle

Dass Apotheken seit dem Jahr 2022 ebenfalls gegen Influenza impfen dürften, habe bislang an dem strukturellen Problem nichts geändert. Die erreichte Impfquote von 40,8 Prozent sei nur zu 0,5 Prozent durch Impfung in Apotheken und zu 99,5 Prozent durch Impfung in Arztpraxen erzielt worden. So attraktiv das Angebot der Grippeimpfung in der Apotheke für einzelne Versicher-te sein möge, das Problem der dramatisch zu niedrigen Impfquoten löse es nicht, so BARMER-Chef Straub.

Zu wenige Pflegebedürftige gegen Grippe geimpft

Wie aus dem BARMER-Report weiter hervorgeht, wird das WHO-Ziel einer Influenza-Impfquote von 75 Prozent auch bei Pflegebedürftigen ab 60 Jahren deutlich verfehlt. Von den Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen waren zuletzt 48,9 Prozent geimpft und bei den häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent. Ambulant und stationär Pflegebedürftige ab 70 Jahren wurden sogar seltener gegen Influenza geimpft als Versicherte in dieser Altersgruppe ohne Pflegeleistungen. „Bei der Grippeschutzimpfung besteht dringender Optimierungsbedarf, um gerade die besonders gefährdeten Personen gemäß dem Stand der medizinischen Erkenntnis vor vermeidbaren Risiken zu schützen“, erklärt Reportautor Grandt.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Was Betroffene und ihre Angehörigen bei Anzeichen von Demenz tun sollten

Wenn das Vergessen beginnt


Pflegeberatung kann helfen, mit einer Demenzdiagnose besser umzugehen.
Foto: DJD/compass private pflegeberatung


(DJD). Die ersten Anzeichen sind oft nicht ganz eindeutig. Sind ein verpasster Termin oder ein verlegter Schlüssel Ausdruck normaler Vergesslichkeit oder ein Zeichen eines gestörten Kurzzeitgedächtnisses? War man nur einen Moment lang unaufmerksam oder fällt es einem generell schwer, Gesprächen zu folgen? Wurde nur der Wochentag verwechselt oder funktioniert die Orientierung in Zeit und Raum nicht mehr richtig? „Nicht jede Zerstreutheit ist ein Anzeichen von Demenz, aber wenn sich kognitive Probleme häufen und den Alltag beeinträchtigen, sollte man sich ärztlich untersuchen lassen“, empfiehlt Lukas Wildenauer von der Pflegeberatung compass. „Wird eine beginnende Demenz festgestellt, ist auch eine fachkundige Beratung sinnvoll.“
 

Nach der Diagnose folgt die Planung

 
Oft sperren sich Betroffene jedoch gegen eine Untersuchung – zum Beispiel aus Scham oder Angst. „Dann sollten Angehörige das Thema immer wieder behutsam ansprechen. Es kann auch hilfreich sein, die Demenz nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern beispielsweise einen allgemeinen Gesundheitscheck oder eine Prüfung der Fahrtüchtigkeit vorzuschlagen“, so der Pflegeberater Wildenauer. Steht die Diagnose Demenz fest, gilt es, die zukünftige Versorgung zu planen. Dazu gehören unter anderem eine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung, Alltagshilfen und pflegerische Unterstützung. Hierbei können ausgebildete Pflegeberaterinnen und -berater helfen. Sie sind etwa unter der kostenfreien Servicenummer 0800-101-8800 für jeden erreichbar. Bei privat Versicherten bietet compass Pflegeberatung telefonisch, per Videogespräch und als Hausbesuch an. Gesetzlich Versicherten stehen die Pflegestützpunkte zur Verfügung.
 

Praktische Tipps erleichtern den Alltag

 
Im Verlauf einer Demenzerkrankung nimmt der Pflegebedarf in der Regel immer weiter zu. Gerade zu Beginn kommen Erkrankte oft noch gut zurecht. „Hier helfen oft praktische Dinge wie ein großer Kalender mit allen Terminen, ein regelmäßiger Tagesablauf, eine Abschaltautomatik am Herd, Namensschilder oder Zettel mit Notruftelefonnummern in der Kleidung, nicht zu vergessen das Wegschließen gefährlicher Medikamente und Reinigungsmittel“, erklärt Wildenauer. Viele weitere Tipps gibt es unter www.pflegeberatung.de. „Wichtig ist, rechtzeitig einen Antrag auf Pflegeleistungen zu stellen und eine gute Versorgungsplanung zu machen. So ist man auf Verschlechterungen vorbereitet und wird nicht überrollt, wenn sich die Situation ändert.“