Freitag, 24. Oktober 2025

Angehörige leisten unbezahlte Pflege im Wert von 206 Milliarden Euro

VdK kritisiert aktuelle Debatte um Sparpläne in der Pflege


Verena Bentele
Foto: Susie Knoll


Pflegende Angehörige in Deutschland leisten weit mehr als nur private Fürsorge. Laut einer Studie der Hochschule Zittau/Görlitz hätten die informellen Pflegeleistungen im Jahr 2023 – wären sie von angelernten Pflegehilfskräften erbracht worden – einen Wert von rund 206 Milliarden Euro gehabt. „Angesichts dieser enormen Summe unentgeltlich erbrachter Pflegeleistungen sind aktuelle Debatten um Einsparungen in der Pflege ein Schlag ins Gesicht der pflegenden Angehörigen“, kritisiert VdK-Präsidentin Verena Bentele. „Sparpläne sind kein Ersatz für politische Fantasielosigkeit, und vor allem nicht für fehlende Strategien. Wenn sich nichts ändert, werden es auch in Zukunft die pflegenden Angehörigen sein, die den Laden am Laufen halten.“

Laut Statistischem Bundesamt wurden im Dezember 2023 etwa 86 Prozent (4,9 Millionen Menschen) der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, überwiegend durch Angehörige. Wer die Abschaffung des Pflegegrads 1 befürwortet, übersieht nicht nur den aktuellen gesellschaftlichen Wert und das Engagement der pflegenden Angehörigen, sondern ignoriert auch die zukünftigen Herausforderungen, so Bentele: „Mit dem demografischen Wandel, insbesondere dem Eintritt der Babyboomer-Generation ins Pflegealter, und dem anhaltenden Fachkräftemangel in der professionellen Pflege wird der Bedarf an pflegenden Angehörigen massiv steigen.“

Der Sozialverband VdK fordert eine deutliche Stärkung und Anerkennung pflegender Angehöriger ebenso wie verbindliche und nachhaltige Lösungen zur Absicherung der Pflegeversicherung. Dazu gehört, dass Angehörige entlastet werden — finanziell, institutionell und durch bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Der Verband setzt sich zudem für eine einheitliche Pflegeversicherung ein, in die alle Bürgerinnen und Bürger einzahlen und die alle Einkommensarten berücksichtigt.

Erwartungen an Einsparungen in der Pflege zu hoch

Das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat ein theoretisches Einsparpotenzial von rund 1,8 Milliarden Euro jährlich errechnet, sollten alle Pflegebedürftigen im Pflegegrad 1 sämtliche ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch nehmen. In der Realität lagen die Ausgaben 2024 laut GKVkurz fürGesetzliche Krankenversicherung-Spitzenverband jedoch bei nur 640 Millionen Euro, da viele Pflegebedürftige die ihnen zustehenden Leistungen nicht oder nicht vollständig in Anspruch nahmen. Diese Zahlen belegen, dass die Erwartungen an Einsparungen bei einer Abschaffung des Pflegegrads 1 zu hoch gegriffen sind. Gleichzeitig verunsichert die Diskussion Pflegebedürftige und pflegende Angehörige.

Weitere Informationen

Die Studie „Der monetäre Wert der Pflegeleistungen von An- und Zugehörigen in Deutschland“ von Prof. Dr. Andreas Hoff, Prof. Dr. Steffi Höse, Prof. Dr. Martin Knoll und Prof. Dr. Notburga Ott steht auf der Website des GAT Institut für Gesundheit, Altern, Arbeit und Technik an der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) zum Download bereit.

Dienstag, 2. September 2025

Was ist wichtig für das Leben mit Demenzerkrankten?

Broschüre der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gibt Hilfestellungen


Menschen, die an einer Demenz erkranken, entwickeln im Laufe der Krankheit häufig Verhaltensweisen, die von Angehörigen und anderen Betreuenden als schwierig, ungewöhnlich oder störend empfunden werden und oft eine starke Belastung darstellen. Die Broschüre der Deutschen Alzheimer Gesellschaft „Leben mit Demenzerkrankten. Hilfen für schwierige Verhaltensweisen und Situationen im Alltag“, die nun schon in 13. Auflage erscheint, kann dazu beitragen, das Zusammenleben mit Menschen mit Demenz insbesondere für Angehörige einfacher zu machen. Mindestens zwei Drittel der Erkrankten werden zu Hause von Angehörigen betreut.

Angehörige sind häufig rund um die Uhr gefordert

Wenn jemand ständig nachfragt, wie spät es ist, Gegenstände verlegt, der Ehefrau den ganzen Tag hinterherläuft oder die Nacht zum Tag macht, kann dies die Angehörigen ans Ende ihrer Kräfte bringen. Die Broschüre „Leben mit Demenzerkrankten“ gibt wichtige Tipps und Hinweise, um den Alltag mit Menschen mit Demenz etwas zu erleichtern.

„Es gibt keine Patentrezepte für den Umgang mit Demenzerkrankten“, betont Christa Matter, ehemalige Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V. und Mitautorin der Broschüre. „Menschen mit Demenz sind und bleiben Individuen, sie verhalten sich unterschiedlich. Trotzdem können Angehörige aus den Erfahrungen anderer lernen und eigene Wege finden.“

Lösungswege entwickeln:

  • Das Verhalten der erkrankten Person genau beobachten
  • Nach Ursachen fragen, zum Beispiel: Was steckt dahinter, wenn er oder sie die Toilette nicht mehr benutzt? Warum möchte sie ständig die Wohnung verlassen? Warum will sie nicht mehr essen? Warum trägt er seine Brille nicht mehr?
  • Überlegen, wie man darauf eingehen oder wo man etwas verändern kann
  • Neue Wege ausprobieren

Hilfen für den Umgang mit anstrengendem Verhalten

Die Broschüre zeigt auf 60 Seiten vielfältige Strategien und gibt Anregungen für den Umgang mit den Verhaltensweisen, die von Angehörigen am häufigsten als belastend beschrieben werden – etwa aggressives Verhalten, Probleme mit dem Autofahren, mit Essen und Trinken. Im abschließenden Kapitel geht es um Hilfen und Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige wie Beratung, Gesprächsgruppen, Entspannungsübungen sowie Betreuungs- und Pflegeangebote.
 

Die Broschüre

Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Leben mit Demenzerkrankten. Hilfen für schwierige Verhaltensweisen und Situationen im Alltag. 13. Auflage 2025, 60 Seiten, gedruckt oder als PDF, kostenlos. Unter diesem Link können Sie die Broschüre bestellen

Welt-Alzheimertag am 21. September

Am 21. September ist Welt-Alzheimertag (WAT). In Deutschland steht der Tag in diesem Jahr unter dem Motto „Demenz – Mensch sein und bleiben“. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sollen erleben, dass sie nicht durch ihre Krankheit definiert und ausgegrenzt werden, sondern weiterhin Teil der Gesellschaft sind – mit all ihren Stärken. Deshalb informieren Alzheimer-Gesellschaften und andere Engagierte am WAT und in der Woche der Demenz, die vom 19. bis 28. September stattfindet, über die Erkrankung und ihre Folgen für Betroffene und Angehörige. Eine bundesweite Übersicht der Veranstaltungen ist zu finden unter www.welt-alzheimertag.de.

Dienstag, 12. August 2025

Aggresion und Gewalt in der Pflege

Ein Tabuthema



Die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen ist eine anspruchsvolle und anstrengende Arbeit. Daher kann es durchaus vorkommen, dass sowohl Angehörige als auch ausgebildete Pflegekräfte mit dieser Aufgabe überfordert sind. Eskaliert die Situation vollständig, kann dies unter Umständen in Gewalt in der Pflege münden.

Bei Gewalt in der Pflege gehen wir meist automatisch davon aus, dass sich die Misshandlungen gegen die pflegebedürftige Person richten. Allerdings ist es genauso gut möglich, dass in Pflegeheimen die Gewalt in der Pflege durch die Bewohner erfolgt und sich gegen das Pflegepersonal richtet. Insbesondere bei krankheitsbedingten Veränderungen im Gehirn und der Pflege bei Demenz kann sich Hilflosigkeit sowie Angst in solchen Formen zeigen.

Diese Zeilen sind ein kleiner Auszug aus einem sehr interessanten Artikel zu diesem Thema, auf welchen ich bei meinen Recherchen gestoßen bin.

Ich fand den Artikel so interessant, dass ich mich (mit Einverständnis des ursprünglichen Autors) entschlossen habe, diesen hier zu verlinken und keinen eigenen zu schreiben.

Hier können Sie den ganzen Artikel lesen