Sonntag, 19. Juli 2015

Hausnotruf: So können Angehörige von Senioren beruhigt in die Ferien fahren

Entspannter Urlaub


Foto: djd/www.initiative-hausnotruf.de
Darius Ramazani
Der wohlverdiente Urlaub bringt oft eine Belastung mit sich: die Sorge um die Lieben daheim. Selbst ältere Menschen, die sich im Alltag noch recht gut zurechtfinden, lässt man häufig mit einem unguten Gefühl zurück. 

Was, wenn sie plötzlich Hilfe brauchen und man weit weg und unerreichbar ist? Ein Hausnotruf kann den Urlaub deutlich entspannter machen. Damit ist im Ernstfall sichergestellt, dass Eltern oder Verwandte schnell Hilfe erhalten.

Mit einem Hausnotrufsystem haben ältere Menschen in Haus und Garten stets Hilfe in Reichweite.


Hilfe auf Knopfdruck


Über einen wie eine Armbanduhr am Handgelenk getragenen Sender können Senioren jederzeit professionelle Hilfe anfordern. Er verbindet sich auf Knopfdruck mit der Basisstation, die sofort die Hausnotrufzentrale alarmiert. Dort sind rund um die Uhr ausgebildete Mitarbeiter erreichbar, die über die Gegensprechfunktion die Dringlichkeit der Lage klären. Bei rund jedem dritten Anruf schicken sie den Bereitschaftsdienst vorbei. In rund drei Prozent der Fälle handelt es sich um derart kritische Situationen, dass die Zentrale einen Notruf an den Rettungsdienst, die Feuerwehr oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst auslöst. Gleichzeitig werden die Angehörigen über die Maßnahmen informiert.

Entlastung im Alltag


"Der Hausnotruf hilft nicht nur im Ernstfall, sondern entlastet Angehörige auch im Alltag", sagt Michaela Stevens, Geschäftsführerin der Initiative Hausnotruf. Dienstleistungen wie ein Fahrdienst, Einkauf- oder Menüservice könnten jederzeit hinzugebucht werden. Zunehmend werden auch andere technische Hilfsmittel angefragt. 

Die meist genutzten Assistenzsysteme, auch Ambient Assisted Living (AAL) genannt, sind derzeit Rauchwarn- und Temperaturmelder, die direkt mit der Hausnotrufzentrale verbunden sind, sowie Falldetektoren, die selbsttätig nach einem Sturz Alarm auslösen. Sogenannte Zugtaster im Bad oder am Bett sind eine beliebte Ergänzung, wenn das Notrufarmband beispielsweise nachts nicht getragen wird. Neue PC-Plattformen mit Videofunktion vereinen zudem die medizinische Betreuung mit Kommunikationsangeboten und Smart-Home-Funktionen.

30 Jahre Sicherheit


Seit mehr als 30 Jahren helfen Hausnotrufsysteme in Deutschland älteren Menschen, länger sicher in den eigenen vier Wänden zu leben. In dieser Zeit hat sich die Technik ständig weiterentwickelt - heute bieten neben handlichen Geräten, die man zuhause als Armband oder Kette tragen kann, unter anderem auch GPS-gestützte Funksender unterwegs schnelle Hilfe. In der "Initiative Hausnotruf" sind qualitätsorientierte Hilfsorganisationen sowie namhafte Hersteller vereint, die professionelle Unterstützung bieten. Mehr Informationen gibt es auch unter www.initiative-hausnotruf.de .

Samstag, 18. Juli 2015

Neue Informationsangebote über Leistungsverbesserungen des Pflegestärkungsgesetzes I

Bundesministerium für Gesundheit stellt weitere Informationsangebote zur Verfügung


Mit dem Pflegestärkungsgesetz I sind zu Beginn des Jahres 2015 die gesetzlichen Leistungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige umfassend verbessert worden. 

Dazu stellt das Bundesministerium für Gesundheit ab sofort weitere Informationsangebote zur Verfügung.



Neuer Internetauftritt erklärt das PSG I


Der Internetauftritt www.pflegestärkungsgesetz.de ist zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zum Pflegestärkungsgesetz. Im Vordergrund stehen dabei konkrete Serviceinformationen: Wem stehen eigentlich welche Leistungsverbesserungen zu? An wen kann ich mich mit meinen Fragen wenden? Darüber hinaus wird über weitere gesetzliche Veränderungen informiert. So ist noch in diesem Jahr die Verabschiedung des Pflegestärkungsgesetzes II geplant, mit dem ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriffs eingeführt wird.

Multimedia-Reportage zeigt den Alltag einer neuen Betreuungskraft


Früher Lkw-Fahrerin – jetzt Tagesbegleiterin, Obstschnitzerin und Meisterin im Zuhören: Die Geschichte der Altenbetreuerin Gaby Richter ist Ausgangspunkt der ersten Multimedia-Reportage, die das Bundesgesundheitsministerium auf www.pflegestärkungsgesetz.de präsentiert. 

Gaby Richter steht stellvertretend für bis zu 20.000 neue Betreuungskräfte, die durch das Pflegestärkungsgesetz I seit Anfang des Jahres zusätzlich eingestellt werden können und so den Alltag in der stationären Pflege verbessern. Im Gegensatz zu Pflegekräften sind sie vor allem dafür zuständig, das Leben von Pflegebedürftigen aktiv zu gestalten, beispielsweise durch Gruppenkurse oder Spaziergänge. 

Neue Broschüren informieren über erweiterte Pflegeleistungen


Die neuen Kurzratgeber „Informationen für die häusliche Pflege“ und „Informationen für Demenzkranke und ihre Angehörigen“ richten sich vorrangig an pflegende Angehörige mit Hinweisen zu konkreten Herausforderungen im Alltag. Die Leserinnen und Leser erhalten Tipps, beispielsweise zur Einrichtung des Pflegezimmers, und finden darüber hinaus zahlreiche Hinweise auf weiterführende Hilfsangebote. Die Broschüre „Alle Leistungen zum Nachschlagen“ bietet eine Übersicht über wichtige Leistungen der Pflegeversicherung.

Die neuen Broschüren können auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit in der Rubrik "Service" unter dem Menüpunkt "Publikationen" kostenfrei bestellt und heruntergeladen werden.

Weitere Informationen rund um das Thema Pflege finden Sie unter:


und

Donnerstag, 16. Juli 2015

Ausländisches Pflegepersonal - der Umgang mit Interkulturalität in der Pflege

Pflege hat in jeder Kultur einen anderen Stellenwert


www.gelko-pflegevermittlung.de

Das Gelingen von interkulteller Pflege hängt in großem Maße von gegenseitigem Verständnis und Kommunikation ab. Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) hat die Expertin für interkulturelle Kommunikation und Kommunikation rund um die Pflege, Waltraud Gehrig, um ihre Einschätzung zu dem Thema gebeten:

„Pflege hat in jeder Kultur einen anderen Stellenwert und wird in der Gesellschaft unterschiedlich wahrgenommen. Menschen werden zu Hause oder in einer speziellen Einrichtung gepflegt. Letzteres geschieht vor allem in den westlichen Industriestaaten. Aber in vielen Kulturen, wie z.B. im slawischen oder arabischen Kulturkreis, werden alte und pflegebedürftige Menschen zu Hause gepflegt. Es ist selbstverständlich, dass sie in ihrem familiären Umfeld bleiben. Die Pflege ist dort aber nicht nur Angelegenheit des Einzelnen. Dort gibt es in der Regel noch die Großfamilie und auch Nachbarn und Freunde sind abrufbereit und immer zur Stelle, wenn Hilfe jeglicher Art benötigt wird.

Pflege in der Familie war auch in Deutschland früher nichts außergewöhnliches, es gehörte zum Leben dazu. In den letzten Jahren konnte jedoch festgestellt werden, dass pflegende Angehörige ihre Situation mitunter bewusst verschweigen. Eine Fachtagung zum Thema Pflegestärkungsgesetz im April dieses Jahres in Heidelberg hat dies bestätigt. Pflege ist ein Tabuthema, vor allem wenn es um pflegende Angehörige geht, die noch im aktiven Berufsleben stehen.

Der persönliche und öffentliche Raum in der Pflege


Seit Jahren gibt es ausländische medizinische (Fach)kräfte, die den zunehmenden Pflegenotstand durch Fachkräftemangel in unserem Land auffangen. Dies geht allerdings nicht immer reibungslos vonstatten. Beide Seiten haben oftmals komplett unterschiedliche Auffassungen von dem, was der andere leisten soll. Klare Regeln und Rahmenbedingungen sollten das Arbeitsverhältnis mit ausländischem Pflegepersonal schon zu Beginn klären. Perspektivenwechsel, regelmäßige Kommunikation miteinander, Empathie und Verständnis auf beiden Seiten sind wichtig, um Missverständnissen vorzubeugen und ein gutes Miteinander zu erzielen.

Der gesellschaftliche Umgang mit Pflege liegt mitunter im jeweiligen Verständnis des öffentlichen oder privaten Raums. In jeder Kultur gibt es ein kulturinternes Verständnis des persönlichen Raums, ergänzt durch ein jeweils persönliches Raum- und Distanzverständnis. Im slawischen und arabischen Kulturraum verwischen beispielweise die Grenzen zwischen persönlichem und öffentlichem Raum. Fremden teilt man Einzelheiten der persönlichen Lebenssituation schon nach kurzem Kennenlernen mit, selbst im beruflichen Umfeld. Anders ist es im deutschen oder nordeuropäischen Kulturkreis. Hier gibt es sehr wohl Grenzen, die deutlich ausgeprägt sind. Der Unterschied zu unserer Kultur besteht darin, dass in östlichen Kulturen Pflege keine ‚Schwäche‘ darstellt. Es wird gegenüber der Pflegeperson nicht negativ verwendet, wohingegen in der westlichen Kultur Zweifel vorherrschen, wie der Arbeitgeber oder das Umfeld auf die privaten Verpflichtungen reagieren. Arbeitnehmer haben oft Bedenken, dass aus der Pflegesituation heraus Nachteile am Arbeitsplatz entstehen könnten.

Gerade bei langjährigen Arbeitsverhältnissen in einem familiären Umfeld ist das Verständnis und das Bewusstsein um Raum und Distanz von enormer Bedeutung, da gerade im Pflegebereich das Verhältnis Arbeitgeber – Arbeitnehmer auf der einen Seite zwar professionell distanziert sein sollte, auf der anderen Seite aber auch sehr persönlich werden kann. Hierbei die Balance zu wahren, ist mitunter eine Herausforderung für beide Seiten. Ausländisches Pflegepersonal hat oftmals ein anderes Verständnis von Pflege und im Umgang mit dem pflegebedürftigen Patienten, was zu Missverständnissen und im schlimmsten Fall gar zum Beenden des Arbeitsverhältnisses führen kann.

Neben dem unterschiedlichen Verständnis von öffentlichem und privatem Raum ist im interkulturellen Umgang u.a. wichtig:

  • Sprachbarrieren zu meistern
Oftmals verstehen sich ausländische PflegerInnen und Patienten auch ohne Worte. Nichtsdestotrotz, kann es zu Fehlern oder Missstimmung kommen, wenn die Sprachkompetenz fehlt. Oft geben ausländische Pflegepersonen ungern zu, etwas nicht verstanden zu haben, auch aus Angst heraus, die Arbeitsstelle zu verlieren. Wichtig ist es in solch einer Situation, mit einfachen Worten und Sätzen die Anliegen zu formulieren, Wörterbücher können dabei unterstützen. Der Auftraggeber oder Arbeitnehmer sollte immer alle ‚Sinne‘ einschalten. Durch verbale und non-verbale Kommunikation und der Art und Weise wie der andere reagiert, ist einfach zu erkennen inwieweit Anweisungen oder eine Unterhaltung verstanden wurden.  

  • Vorurteile und Stereotypen auf beiden Seiten abzubauen
Man sollte sich dessen bewusst sein, dass gerade im Pflegesektor Menschen arbeiten, die aus dem ehemals sozialistischen, slawischen Raum kommen. Obwohl einer anderen, jüngeren Generation angehörig, stammen diese Pflegekräfte aus Ländern, die zwar formal den Krieg gewonnen haben aber sehr viele Einschnitte in ihrem persönlichen Leben erfahren haben. Zudem sind sie von der Geschichte ihrer eigenen Familie geprägt. Sie pflegen Menschen, die der Nation der ‚Kriegsverlierer‘ angehören, meistens finanziell viel besser gestellt sind und das ist nicht immer eine einfache Situation. Falls die Sprachkompetenz ausreicht, sollte man sich nicht scheuen darüber zu sprechen. Solche Gespräche können sehr interessant sein und allen Beteiligten interessante Perspektiven aufzeigen.

  • Unterschiedliches medizinisches Verständnis zu akzeptieren
Der Umgang mit Krankheit unterscheidet sich oft in den verschiedenen Kulturen. „Naturvölker“ sind mitunter eher der Naturheilkunde und traditionellen Medizin zugetan, wohingegen andere Kulturen eher der westlichen Medizin zugeneigt sind. Trotz allem ist häufig der Arzt in vielen Kulturen eine Autoritätsperson. Von Vorteil wäre es im Vorfeld abzuklären, inwieweit das Pflegepersonal mit dem eigenen Verständnis von medizinischer Versorgung und Pflege übereinstimmt.

  • Konflikt in den einzelnen Kulturkreisen zu managen
Pflegepersonal aus emotional geprägten Kulturkreisen reagiert oft emotional auf Kritik oder Anmerkungen und betrachtet es weniger sachlich. Hier gilt: Eine angenehme Atmosphäre schaffen, um Kritik anzusprechen und sich vor allem nicht durch emotionale Reaktionen aus dem Konzept bringen zu lassen. Überlegen Sie sich im Vorfeld gut, wie Sie die Kritik äußern. Es ist wichtig, immer wieder zu erklären, dass es einzig um das Wohl des Kranken geht.

Abschließend kann man jedoch festhalten, dass Pflegepersonal aus anderen Kulturkreisen oft eine Bereicherung für alle Beteiligten darstellt. Mit ein wenig Toleranz und Offenheit können wir alle voneinander lernen und unser Leben bereichern. „