Dienstag, 19. Mai 2015

Schnelle Hilfe bei Fragen zur Pflege

Ausweg aus dem Pflegeberatungs-Labyrinth



Das Pflegeberatungsangebot in Deutschland ist zwar umfangreich und vielfältig, zugleich aber auch kaum zu überschauen. Laut einer aktuellen Umfrage der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) halten zwei Drittel der Deutschen das Gesundheits- und Versorgungssystem für unübersichtlich, wenn es z. B. darum geht, die richtige Unterstützung im Fall einer Pflegebedürftigkeit zu finden. 
Zur besseren Orientierung hat das ZQP eine Online-Übersicht entwickelt, die einen umfassenden und bundesweiten Überblick über Beratungsangebote für hilfe- und pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige bietet. Die neue Internetseite ermöglicht die kostenlose, wohnortnahe Suche nach über 4000 Beratungsangeboten des Bundes und der Länder, von Verbraucherzentralen, Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, kommunalen Einrichtungen bis hin zu allen Pflegestützpunkten der gesetzlichen Pflegekassen sowie COMPASS Private Pflegeberatung für Privatversicherte. Kurzum: Die neue ZQP Datenbank bildet alle Pflegeberatungsangebote in Deutschland ab.
„Wir schaffen dieses neue und deutschlandweit einmalige Informationsangebot, weil gute Beratung entscheidend zum Gelingen der unterschiedlichen Pflegekonstellationen beiträgt. Sie ist nicht nur ein wichtiger Präventionsbaustein, sondern auch ein zentraler Entlastungsfaktor für alle Beteiligten in der Pflege“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Noch aber sei Pflegeberatung oftmals eine vertane Chance, weil viele Menschen überhaupt nicht wüssten, an wen sie sich im Pflegefall wenden sollten, so Suhr.
Immerhin kennen fast drei Viertel der Befragten keine Beratungsstellen in ihrer Nähe, an die sie sich wenden könnten, um sich Informationen und Unterstützung zu holen. Dies trifft sogar auf die Hälfte der Personen mit Pflegeerfahrung zu (51 Prozent). Deshalb verfügt die neue ZQP-Datenbank über eine Suchmaske, mit deren Hilfe die nächstgelegene Beratungsstelle ermittelt werden kann. Zudem haben die Nutzer der neuen Internetseite die Möglichkeit, nach Beratungsangeboten zu besonderen Themen zu recherchieren, wie beispielsweise Wohnberatung, Organisation der Pflege, Demenz, Rechtliche Betreuung, finanziellen Hilfen oder auch Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige. „Je nach individueller Situation haben hilfe- und pflegebedürftige Menschen unterschiedliche Fragen. Uns ist hierbei wichtig, dass Menschen auf Basis der richtigen Informationen selbstbestimmt entscheiden können, wie die Versorgung ihrer Angehörigen gestaltet werden soll. Auch deshalb ist eine gute Beratung von zentraler Bedeutung“, so Suhr.
Hintergrund zur Pflegeberatungsangeboten
Das Leistungs- und Beratungsangebot zu Hilfe und Pflege in Deutschland ist zwar umfangreich und vielfältig, zugleich aber auch für Verbraucherinnen und Verbraucher kaum zu überschauen. Neben der Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, die in den Pflegestützpunkten der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen und durch COMPASS Private Pflegeberatung durchgeführt wird, leisten beispielsweise kommunale Stellen, Landesstellen, Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, Seniorenvertretungen, Verbraucherverbände sowie Online-Beratung zu Leistungsansprüchen und Hilfemöglichkeiten.
Mithilfe der gesetzlich verankerten Pflegeberatung nach §7aSGBXI sollen Beratungs- und Koordinierungsleistungen nicht mehr isoliert voneinander erbracht, sondern orts- und familiennah gebündelt werden. Um dies wohnortnah zu gewährleisten, wurden analog zu den gesetzlichen und privaten Krankenkassen zwei unterschiedliche Modelle entwickelt: Die privaten Krankenversicherungen betreiben mit COMPASS Private Pflegeberatung GmbH ein eigenes Beratungsunternehmen, das neben der telefonischen vor allem auch eine aufsuchende Beratung im eigenen Zuhause anbietet. Die gesetzlichen Pflegekassen haben Pflegestützpunkte (§ 92c SGB XI) als wohnortnahe Anlaufstellen für die Bevölkerung eingerichtet. Die föderale Organisation der Pflegestützpunkte, die von den Landespflegekassen in Kooperation mit den obersten Landesbehörden errichtet werden, hat dazu geführt, dass die Anzahl der Pflegestützpunkte in den einzelnen Bundesländern stark variiert.

Sonntag, 17. Mai 2015

Zuwendung wirksamer als Medikamente

Kurse für den Umgang mit Demenzpatienten im Alltag sind für Angehörige wichtig



Viele demenzkranke Menschen leiden unter Unruhe. Ängsten und Schlafproblemen. 

Ein geduldiger und verständnisvoller Umgang mit den Betroffenen scheint die beste Therapie zu sein, berichtet das Apothekenmagazin „Senioren-Ratgeber“ unter Berufung auf US-Forscher, die Studien zu dieser Thematik analysierten. 

Arzneimittel zur Beruhigung schnitten weniger gut ab. 

Tipp für Angehörige: 
Bei der Krankenkasse nach Kursen für den Alltag mit Alzheimerpatienten nachfragen.

Dieser Beitrag ist erschienen im Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“.

Samstag, 16. Mai 2015

Pflege-Report: Generation "50 plus" offen für neue Wohn- und Versorgungsformen

Zwei von fünf Befragten sehen in einer guten „24-Stunden-Pflege“ im heimischen Umfeld eine attraktive Perspektive.

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Jeder zweite 50- bis 80-Jährige findet neue Wohn- und Versorgungsformen im Pflegefall ansprechend. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im aktuellen PflegeReport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Demnach steht rund die Hälfte der Befragten „Betreutem Wohnen“ oder dem Leben im „Mehrgenerationenhaus“ aufgeschlossen gegenüber. Zwei von fünf Befragten sehen in „Senioren-WGs“ oder in einer guten „24-Stunden-Pflege“ im heimischen Umfeld eine attraktive Perspektive. „Eine differenzierte Versorgungslandschaft, die sich an den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen orientiert, ist immer mehr gefragt. Dieser Trend wird sich durch die generelle Zunahme der Pflegebedürftigkeit weiter verstärken“, sagte WIdO Geschäftsführer und Mitherausgeber des Pflege-Reports, Prof. Klaus Jacobs. 

Für den erstmals erscheinenden Pflege-Report 2015 hat das WIdO eine repräsentative Bevölkerungsbefragung der Generation „50 plus“ zu Pflegealternativen zwischen Heim und Häuslichkeit durchgeführt. Demnach sind die alternativen Wohn- und Versorgungsformen „Betreutes Wohnen“, „Mehrgenerationenhaus“, „Senioren-WG“ und „“24-Stunden-Pflege“ den meisten über 50-Jährigen bekannt (89 bis 97 Prozent). Jeder zweite der Befragten hat sich mit „Betreutem Wohnen“ schon näher beschäftigt (52 Prozent), bei den anderen drei Formen ist es rund jeder Dritte (Mehrgenerationenhaus: 37 Prozent, Senioren-WG: 31 Prozent, 24-Stunden-Pflege: 29 Prozent). 

Die Umfrage zeigt, dass bei einem Großteil der Befragten alternative Wohn- und Versorgungsformen auf Sympathie stoßen. Mit dem „Betreuten Wohnen“, das für 54 Prozent der Generation „50 plus“ attraktiv ist, werden insbesondere eine professionelle Pflege und gute medizinische Versorgung verbunden. Im „Mehrgenerationenhaus“ (52 Prozent Attraktivität) sieht jeder Zweite einen attraktiven sozialen Rahmen der gegenseitigen Unterstützung von Jung und Alt. Die „24-Stunden-Pflege“ (41 Prozent Attraktivität) steht für die Chance eines professionellen pflegerischen und medizinischen Arrangements im häuslichen Umfeld, allerdings um den Preis des ständigen Zusammenlebens mit wechselnden Fremden. Und mit der „Senioren-WG“ (39 Prozent Attraktivität) verbinden die Befragten den Erhalt sozialer Kontakte und das Zusammenleben von Menschen in ähnlicher Lebenslage, aber auch die Gefahr, dass diese Gemeinschaft mit Alten alt macht (siehe Grafik).

Noch deutlich ausgeprägter sind die Attraktivitätswerte der neuen Wohn- und Versorgungsformen bei den jüngeren Menschen der Generation „50 plus“. So erreichen etwa die Werte bei den 50- bis 60-Jährigen für das Mehrgenerationenhaus 58 Prozent und für die SeniorenWG 48 Prozent. Prof. Adelheid Kuhlmey von der Charité Berlin und Mitherausgeberin des Pflege-Reports 2015: „Die mit Abstand bevorzugte Versorgungsform bleibt weiterhin die häusliche Pflege in der angestammten Wohnumgebung durch vertraute Angehörige. Umso bemerkenswerter ist die wachsende Offenheit, die insbesondere die Jüngeren der Generation „50 plus“ den neuen Formen von Pflegearrangements entgegenbringen.“

Transparenz der Gesundheitsversorgung der Pflegebedürftigen

Pflegebedürftige sind oft zugleich krank und auf viele Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung angewiesen. Vor diesem Hintergrund macht der Pflege-Report 2015 die Gesundheitsversorgung der Pflegebedürftigen erstmals auf der breiten Datenbasis der AOKversicherten Pflegebedürftigen für Deutschland transparent.  

Der Blick auf die stationäre Versorgung zeigt die hohen Anteile von Pflegebedürftigen mit Krankenhausaufenthalten. Von den 60- bis 90-jährigen Pflegebedürftigen sind rd. 23 Prozent im Quartal mindestens einmal im Krankenhaus, während der Anteil bei gleichaltrigen Nicht-Pflegebedürftigen bei etwa 8 Prozent liegt. „Wenn fast jeder vierte Pflegebedürftige pro Quartal mindestens einmal im Krankenhaus landet, spiegelt das nicht nur die unterschiedlichen Krankheitslasten wider, sondern macht auch die riesige Herausforderung für das Schnittstellenmanagement zwischen Klinik und Pflege deutlich“, sagt Jacobs.  

Vergleichsweise hoch ist auch der Arzneimittelverbrauch der Pflegebedürftigen. Das wird besonders deutlich anhand der Anteile von Patienten mit Polymedikation – darunter versteht man die gleichzeitige Verschreibung von fünf und mehr Wirkstoffen je Patient. Während der Polymedikationsanteil etwa bei den nicht pflegebedürftigen 60- bis 70-Jährigen bei etwas mehr als 20 Prozent liegt, beläuft er sich bei den Pflegebedürftigen auf rund 60 Prozent. Die Arzneimittelversorgung ohne unerwünschte Wirkungen ist bei Pflegebedürftigen entsprechend anspruchsvoll. 

Pflege-Report – eine neue Publikationsreihe des WIdO 

Die Bevölkerungsumfrage zu neuen Pflegearrangements und die Ergebnisse zur Gesundheitsversorgung von Pflegebedürftigen finden sich im neuen Pflege-Report 2015 des WIdO, mit dem das Institut eine neue Publikationsreihe im Schattauer Verlag startet. Der inhaltliche Schwerpunkt der ersten Ausgabe liegt auf neuen Wohn- und Versorgungsformen in der Pflege außerhalb der bisherigen Häuslichkeit. In zwölf Beiträgen namhafter Autoren werden die Potenziale von Pflegeformen zwischen Heim und Häuslichkeit vermessen, etwa in Bezug auf die Sicherung der Pflegequalität, die gezielte Gesundheitsförderung oder die soziale Teilhabe von Pflegebedürftigen. Beleuchtet werden auch die Einbindung der Angehörigen, die Rolle der Kommunen bei der Sicherung der örtlichen Pflegeinfrastruktur sowie Wege zur Sicherung des erforderlichen Personalbedarfs. Ein Blick in die Niederlande und nach Skandinavien sowie fünf Praxisbeispiele – von Senioren-Wohngemeinschaften über Wohngruppen für Demenzerkrankte bis hin zu nachbarschaftlichen Quartiersprojekten – ergänzen das breite Spektrum der Analysen. 

K. Jacobs; A. Kuhlmey; S. Greß; A. Schwinger (Hrsg.):
Pflege-Report 2015 Schwerpunkt: Pflege zwischen Heim und Häuslichkeit. ca. 265 S., kart. € 54,99 (D); € 56,60 (A) ISBN 978-3-7945-3107-3